Glyphosat-Ausstieg: Grüne in Nenndorf fordern konkrete Maßnahmen

Wer mit offenen Augen durch den Landkreis Schaumburg fährt, sieht auch hier derzeit immer wieder gelbe Felder, auf denen vor kurzem noch grüne Pflänzchen standen. Nicht etwa die Witterung, in vielen Fällen ist das umstrittene Herbizid Glyphosat für das Absterben der Pflanzen verantwortlich.

Ziel des aktuellen Pestizideinsatzes ist die Unkrautbekämpfung vor der Aussaat der eigentlichen Feldfrucht. Glyphosat als Wirkstoff unter dem Handelsnamen RoundUp wird mit Krebs, Schäden des Nervensystems, Nierenerkrankungen in Zusammenhang gebracht. Bestätigt wird dies von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Informiert und diskutiert wurde über das Thema des Pestizideinsatzes auf Einladung der Nenndorfer Grünen, die in das Haus Kassel der Kur- und Tourismusgesellschaft in Bad Nenndorf eingeladen hatten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stadtratsmitglied Dr. Imke Hennemann-Kreikenbohm. Für ein Impulsreferat war die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte, stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschusses, angereist.  „Wir diskutieren über Glyphosat und auch die GroKo in Berlin hat eine Minimierungsstrategie im Koalitionsvertrag vereinbart, aber in der Realität nimmt der Absatz zu. Allein von Jahr 2017 auf 2018 ist der Absatz in Deutschland um 914 Tonnen angestiegen, was 24,3% entspricht,“ erklärt Staudte.

Ziel könne auch nicht der Umstieg auf andere Pestizide sein, sondern müsse die Reduzierung des gesamten Einsatzes von Ackergiften sein. Die Alternative sei nicht, die Pestizide einfach wegzulassen, sondern auf andere Methoden der Beikräuter- oder Schädlingsminimierung umzustellen. „Doch das ist arbeitsintensiver. Es muss also finanzielle Anreize geben,“ fordert Staudte.

Das sei zum einen die Einführung einer Pestizidabgabe, um den Einsatz teurer und unattraktiver zu machen, zum anderen müsse die Anschaffung von Geräten der mechanischen Unkrautbekämpfung durch diese zweckgebundenen Einnahmen unterstützt werden. „Es gibt viele Methoden unerwünschten Bewuchs zu reduzieren. Etwa die Vorbereitung des Saatbetts ohne jedoch die Hauptsaat schon auszubringen. Das bringt die ungewollten Pflanzensamen im Boden zum Keimen. Kurz danach werden diese Pflänzchen mechanisch leicht beseitigt, so dass die eigentliche Feldfrucht danach weniger Konkurrenz mehr hat,“ erläutert Staudte eine präventive Maßnahme. 

Wenn danach trotzdem Beikräuter wachsen, sei das Grubbern oder Hacken mit modernen Geräten möglich. Auch existieren inzwischen Geräte zum Abflammen des Ackerbodens oder zu anderen thermischen Behandlungen mit heißem Wasserdampf etwa. „Aber auch biologische Methoden des Pestizid-Einsatzes sind möglich. Etwa der Einsatz von Zitronen- oder Essigsäure. Als Insektizid-Ersatz wird auch Chili eingesetzt.“

Über all diese Methoden müsse eine intensive Beratung angeboten werden. „Demonstrationsbetriebe sind ein unersetzlicher Baustein, damit sich Landwirtinnen und Landwirte austauschen können. Doch hier fördert die Groko nicht,“ kritisieren die Grünen. Dr. Imke Hennemann-Kreikenbohm, im Naturschutz aktiv, appelliert, dem Artensterben und der Belastung unseres Grundwassers nicht tatenlos zuzusehen: „Ein Weiter-so beim Pestizideinsatz darf es nicht geben.“

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